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Der Traum eines tibetischen Buddhas
2014/11/06

Qabqa ist eine kleine Gemeinde mitten in den Bergen im tibetischen autonomen Bezirk Hainan der Provinz Qinghai. Ein zweistöckiges Gebäude mit weißen reliefartigen Balkongeländern und dunkelbraunen Fensterrahmen tibetischen Stils kommt in Sicht, als wir eine Weile auf einem gewundenen Erdpfad entlang stolpern und an einem kleinen Erdhügel vorbeilaufen.

Aus dem zweiten Stock ertönen außergewöhnliche Sutragesänge. In einem Zimmer voller buddhistischer Ritualgegenstände wie Kerzenständer, Glocken und Trommeln sitzt ein Mönch mittleren Alters in tibetischer Tracht mit übereinander geschlagenen Beinen auf dem Boden und klopft im Rhythmus seiner Gesänge gegen einen Holzblock. Er ist der Hausherr Kunzang Nyima, zugleich ein Lebender Buddha. „Der Gesang heißt „Freie Gebete". Damit bete ich für das Glück und die Sicherheit der Menschen", sagt er.

Kunzang Nyima ist die dritte Reinkarnation von Dudjom Rinpoche, einer Gottheit der Nyingma-Schule des tibetischen Buddhismus. „Nyingma" bedeutet in der tibetischen Sprache „alt" und gilt als die älteste aller Schulen des tibetischen Buddhismus. Mit ihren 135 Klöstern allein in Qinghai ist Nyingma nach Gelug die zweitgrößte Schule des tibetischen Buddhismus.

Der Buddha stockt ein wenig, als er sich auf Chinesisch mit uns unterhält. Seine Muttersprache ist Tibetisch. Doch die Kommunikation ist nicht beeinträchtigt. Er sei ein fachlicher Praktiker der buddhistischen Lehre, der jeden Tag zu Hause Sutren lese, den lokalen Gläubigern Sutren lehre und buddhistische Rituale im Kloster veranstalte, sagt er:

„Sowohl Lebende Buddhas als auch einfache Mönche widmen sich den anderen. Ein echter buddhistischer Praktiker soll den Menschen dienen. Wie es in den Sutren von Buddha Kshitigarbha heißt, „werde ich kein Buddha, bevor sich alle Seelen aus der Hölle befreien". Also, all ihr Kummer soll von mir getragen werden. Mit dieser Entschlossenheit sollen den anderen Wohltaten erwiesen werden."

Den Worten folgen Taten: Nach dem verheerenden Erdbeben 2010 in Yushu begab sich der Lebende Buddha in das Katastrophengebiet, um die Seelen der Überlebenden mit buddhistischen Lehren zu beruhigen. Er konzentriere sich vor allem auf die psychischen Probleme der Menschen, sagt er:

„Durch die gesellschaftliche Entwicklung sind viele Menschen einem Stress ausgesetzt, der teilweise kaum zu beschreiben ist. Um zur inneren Ruhe zu finden, wenden sie sich an Buddhas und Mönche. Wir geben dann Hinweise dafür, wie sie besser denken und sich besser verhalten können."

Kunzang Nyima ist ein Buddha von Geburt an. Bereits bevor er 1978 auf die Welt kam, wurde er als Reinkarnation eines alten Lebenden Buddhas identifiziert. Im Alter von 6 Jahren bekehrte er sich zum tibetischen Buddhismus und ging ins Kloster, wo er buddhistische Theorien und Lehren studieren konnte. 1992 wurde er zum Abt vom Kloster Bumkang gewählt. Das erst im Jahr 1995 fertiggestellte Kloster bietet den Anhängern, die sich früher nur in Zelten zum Gebet versammeln konnten, ein Obdach. 2006 wurde Kunzang Nyima als Lebender Buddha offiziell von der chinesischen Regierung anerkannt.

Nach dem kurzen Gespräch lädt der Buddha uns zu einem Spaziergang rund um sein Haus ein. Eine junge tibetische Mutter trägt ein Kind in den Armen und kommt auf ihn zu:

„Haben Sie Zeit heute Abend?"

„Aber ja. Was kann ich für Sie tun?"

„Mein Kind fühlt sich nicht wohl. Ich möchte Sie bitten, Sutren für das Kind zu lesen."

„Selbstverständlich. Kommen Sie bitte am Abend bei mir vorbei."

Das ist nur ein Beispiel für die täglichen Beschäftigungen des Buddhas: Hier im Dorf wird er als Arzt, Gelehrter und Ratgeber angesehen, ebenso wie als Sohn des Gottes. Und die Dorfbewohner glauben fest daran, dass der Buddha ihnen Wohl und Glück bescheren kann.

Auf einem Hügel unweit vom Haus des Buddhas glänzt eine imposante Tempelanlage. Der 8700 Quadratmeter große Baukomplex soll bald fertig gestellt werden und als Zentrum für tibetischen Buddhismus und tibetische Folkore dienen. Hier sollen auch ein Altar mit 5000 Buddhafiguren, ein Forschungsinstitut für tibetischen Buddhismus, ein Museum für tibetische Geschichte und ein Altenheim entstehen. Das Ganze ist auf die Ideen von Kunzang Nyima zurückzuführen. Und das erstaunliche: Das für 14 Millionen Yuan RMB, umgerechnet fast 1,8 Millionen Euro, veranschlagte Bauprojekt hat der Buddha allein mit Spenden selbst finanziert. Er habe einen Traum, im Interesse aller zu handeln, erklärt der Buddha:

„Der Buddhismus betont Barmherzigkeit. Mit diesem Tempel sollen zum einen die Seelen der Tiere im nahegelegenen Schlachthof von ihrem Leiden erlöst, und zum anderen die Seelen der Verstorbenen im angrenzenden Krematorium beruhigt werden."

Übersetzt von Yan Wei und Yu Yue

(Quelle: CRI)

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