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Ansprache von Frau Generalkonsulin Mao Jingqiu auf dem Empfang zum Nationalfeiertag der Volkrepublik China am 22.09.2016
2016/09/23

Sehr geehrter Herr Regierungspräsident von Schwaben Scheufele,

Sehr geehrter Herr 1. Vizepräsident des Bayerischen Landtags Bocklet,

Verehrte Kolleginnen und Kollegen vom konsularischen Korps,

Meine Damen und Herren, liebe Freunde,

zuerst möchte ich alle anwesenden Gäste ganz ganz herzlich begrüßen und mich dafür bedanken, dass Sie mit uns gemeinsam den Nationalfeiertag der VR China feiern und unsere Freude teilen.

In 9 Tagen begeht die Volksrepublik China ihren 67. Geburtstag. Es ist ja allseits bekannt, dass China in den letzen 67 Jahren einen beispiellosen Aufstieg hingelegt hat: Das chinesische Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahre 2015 rund 10,42 Bill. US-Dollar, damit ist China weltweit hinter den USA zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht aufgestiegen. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl ergibt sich allerdings lediglich eine Summe von 8000 US-Dollar pro Kopf jährlich, womit China weltweit etwa auf dem 70. Platz landet. Einige Provinzen und Städte entlang der Küste Chinas stehen wirtschaftlich in der Tat recht ordentlich da: Das Bruttoinlandsprodukt der Provinzen Guangdong und Zhejiang übertrifft das von Österreich. Doch im Westen des Reiches gibt es in entlegenen Landstrichen und unzugänglichen Bergregionen noch zahlreiche Dörfer und Gemeinden, in denen die natürlichen Gegebenheiten und die Lebensbedingungen der Menschen weit weniger günstig sind. Dort haben viele Menschen bis heute keinen Zugang zu Strom, selbst die Versorgung mit Wasser und ausreichend Nahrungsmitteln für die Menschen vor Ort und selbst für das Vieh konnten noch nicht sicher gestellt werden.

Ich führe diese Beispiele an, um zu verdeutlichen, dass die Lage in einem so riesigen Land wie China mit seiner Bevölkerung von über 1,3 Mrd. Menschen sehr kompliziert ist. China sieht sich vielen Problemen und Herausforderungen gegenüber. In welche Richtung wird sich China weiterentwickeln und wie wird sich China mit der Welt auseinandersetzen? Diese sind wohl die am häufigsten gestellten Fragen. Meiner Ansicht nach benötigt man hier nur drei Stichwörter und mit Hilfe von drei kurzen Filmen, um sich ein Bild zu machen:

Das erste Stichwort lautet „shisanwu", also der 13. Fünf-Jahres-Plan. Es wird darauf ankommen, die bisherigen Reformen aktiv und aus eigenem Antrieb weiter voranzutreiben; auch muss die Wirtschaft weiter umgestaltet und aufgewertet werden. Hierfür werden im 13. Fünf-Jahres-Plan die fünf großen Entwicklungskonzepte festgeschrieben, nämlich Innovation, Ausgewogenheit, Ökologie, Öffnung und gemeinsame Nutzung.

Das zweite Stichwort ist die „Neuen Seidenstraßen" – bekannt unter dem Namen „Ein Gürtel, eine Straße". Den Geist der alten „Seidenstraße" wieder zu beleben ist heutzutage angesichts der nur schleppenden Erholung der Weltwirtschaft noch dringender als je zuvor. Die umfassende Initiative der gemeinsamen Errichtung der Neuen Seidenstraßen ist eine sinnvolle Ergänzung zu den bereits bestehenden globalen Kooperationen im Wirtschafts- und Finanzbereich. Die Neue Seidenstraße bietet nicht nur gegenseitigen Nutzen und verspricht gemeinsame wirtschaftliche Erfolge, sie ist zudem ein nachhaltiges Projekt zur Förderung des Friedens und der Stabilität.

Das dritte Stichwort lautet „G20". In diesem Jahr hat China den Vorsitz der G20-Staaten inne. Anfang diesen Monats wurde der G20-Gipfel in der chinesischen Provinzhauptstadt Hangzhou unter dem Motto „Gestaltung der innovativen, vitalen, integrierten und inklusiven Weltökonomie" erfolgreich veranstaltet. Die Staatsoberhäupte und Regierungschefs beschäftigten sich mit der drängenden Frage, wie das weltweite Wirtschaftswachstum wieder in Gang gesetzt werden kann. Dem Gipfeltreffen in China war Erfolg beschieden: Denn Innovation und Strukturreformen sind der Schlüssel zur Erholung der Weltwirtschaft - mit diesem sogenannten "Konsens von Hanzhou" wird dieser Gipfel den Menschen weltweit Zuversicht vermitteln können und dem Wachstum der Weltwirtschaft neuen Schwung verleihen. Durch die erfolgreiche Ausrichtung des Gipfels konnte China zudem seinen Beitrag zur Ankurbelung der Weltwirtschaft leisten.

Lassen Sie mich zusammenfassend festhalten: China wird weiterhin seine Hausaufgaben zur vollen Zufriedenheit erledigen und sich für globale Kooperationen einsetzen. Zwar ist China nach wie vor ein Entwicklungsland, aber China wird sich weiterhin weltpolitisch engagieren und, soweit es in seiner Kraft steht, in internationale Angelegenheiten einbringen und noch größere Verantwortung übernehmen.

Meine Damen und Herren,

all die Ideen hinter den gerade genannten Stichwörtern strahlen eine postive Energie insbesondere auf die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland aus, eine Zusammenarbeit, die sich ja bereits auf dem historisch höchsten Niveau befindet.

Als vielversprechend gilt zweifellos die strategische Verknüpfung von „Made in China 2025" mit der deutschen „Industrie 4.0". Hierbei stoßen beide Seiten gemeinsam eine neue industrielle Revolution an und gestalten neue Geschäftsmuster.

Meine Damen und Herren,

die Beziehungen zwischen China und dem Freistaat Bayern geizen nicht mit Erfolgen: Im Juli besuchte der Gouverneur der Shandong-Provinz, Herr Guo Shuqing, Bayern und nahm an der „8. Regierungschefkonferenz der Partnerregionen" teil. Nächstes Jahr feiern Shandong und Bayern bereits das 30-jährige Bestehen ihrer Partnerschaft. Wir freuen uns darauf, dass Ministerpräsident Seehofer nach dem erfolgreichen China-Besuch im Jahre 2014 nächstes Jahr zur Jubiläumsfeier nochmals nach China reist. Der „Palarmentarische Austausch auf Landesebene" bleibt aktiv und fördert die Zusammenarbeit und Völkerverständigung. Deswegen möchte ich mich an dieser Stelle bei Ihnen, Herrn Ersten Vizepräsidenten des Bayerischen Landtages Bocklet, ganz aufrichtig für Ihr persönliches Engagement bedanken.

Liebe Freunde,

In den letzten Monaten habe ich viele bayerische Städte, Gemeinden, Unternehmen und Institutionen besucht. Dabei konnte ich die engen Kontakte zwischen China und Bayern, die auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken, mit eigenen Augen erleben. Ich konnte aus erster Hand erfahren, wie tief die Zusammenarbeit zwischen China und Bayern nun gediehen ist.

Zum Beispiel: Die Stadt Ingolstadt hat eine besondere „China-Strategie" implementiert. Mit dem „China-Zentrum Bayern" werden Investitionen in beide Richtungen weiter gefördert. In absehbarer Zeit wird man dort ein Audi-Konfuzius-Institut eröffnen. Dieses wird dann weltweit das einzige Konfuzius-Institut sein, das von einem Unternehmen mitfinanziert worden ist und neben Sprach- und landeskundlichen Kursen technische Trainingsprogramme anbietet.

Lassen Sie mich noch weitere Beispiele nennen:

Mit dem Besuch von Herrn Oberbürgernmeister Xu vor 10 Tagen wird die Städtepartnerschaft zwischen Shenzhen und Nürnberg sicherlich nochmals auf eine höhere Stufe gehoben. Als ich in Dietfurt war, spürte ich die Begeisterung der bayerischen Chinesen für die chinesische Kultur. Und die wunderschöne Stadt Rothenburg ob der Tauber mit nur 11,000 Einwohnern ist nun ein beliebtes Reiseziel tausender chinesischer Touristen. Auch hat die Gemeinde Unterhaching viel unternommen, um chinesische Firmen anzusiedeln. In Schwaben, einer Wirtschaftsregion mit starkem Mittelstand wird vor kurzem China Competence Center gegründet.

Diese sind natürlich nur ein Bruchteil der Beispiele, welche die guten Beziehungen zwischen China und Bayern bezeugen, leider kann ich Ihnen hier nicht alle im einzelnen auflisten. Im Hinblick auf die oben genannten Erfolge möchte ich allen anwesenden deutschen und chinesischen Gästen aufs innigste danken. Ohne Ihre tatkräftige Unterstützung und steten Bemühungen wären diese Erfolge nicht möglich gewesen.

Meine Damen und Herren,

Unter Freunden wird nicht nur die Freude geteilt, sondern auch das Leid. Meine Kollegen und ich teilen die Empfindungen der Menschen hier nach den jüngsten Anschlägen. Wir möchten uns bei der bayerischen Seite bedanken, dass sie uns nach diesen Anschlägen rasch über die Lage informiert hat, dass sie die vier im Würzburg-Anschlag schwerverletzten Hongkong-Chinesen sorgfältig behandelt hat und uns bei unseren konsularischen Aufgaben zur Seite stand. Wir fühlen uns in schwierigen Zeiten noch enger miteinander verbunden als in guten Zeiten.

Meine Damen und Herren,

China und Deutschland, China und Bayern haben vieles gemeinsam. Ich wünsche unseren beiden Ländern Gedeihen und Aufblühen und unseren beiden Völkern Wohlergehen. Ihnen allen wünsche ich Alles Gute und einen schönen und unterhaltsamen Abend bei uns!

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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