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Grußwort auf der Konferenz "Seidenstraße 2018"
2018/10/29
 

Sehr verehrter Herr Staatsminister Pschierer,

Sehr geehrter Präsident von Vopelius,

Sehr geehrter Herr Geschäftsführer Ottmann,

Sehr geehrte Delegationsmitglieder aus Guangdong,

Meine Damen und Herren, liebe Freunde,

Es ist mir eine große Ehre, der Einladung zu der heutigen Konferenz Folge zu leisten. Ihnen allen ein ganz herzliches Willkommen! Im Namen des chinesischen Generalkonsulats möchte ich mich sehr herzlich bedanken beim bayerischen Wirtschaftsministerium, bei der IHK Nürnberg und der Messe Nürnberg sowie allen Sponsoren für Ihre Initiative, die tolle Organisation und die tatkräftige Unterstützung.

Vor mehr als 2100 Jahren wurde ein Gesandter namens Zhang Qian aus der chinesischen Han-Dynastie gleich zweimal mit dem Auftrag nach Zentralasien delegiert, das Tor zum freundschaftlichen Austausch zwischen China, den Ländern Zentralasiens und Europa aufzustoßen. Damit wurde eine Seidenstraße eröffnet, die von Osten bis in den Westen hineinreichte und so China und Europa miteinander verband. Interessant ist es, dass es Deutsche waren, die den Begriff „Seidenstraße“ geprägt hatten.

Angesichts  nun ständig zunehmender protektionistischer Tendenzen im Welthandel und der Turbulenzen der Weltwirtschaft benötigen wir dringend eine noch umfangreichere, hochwertigere und tiefgehendere Zusammenarbeit. Die Fortsetzung und Weiterentwicklung der Seidenstraße ist heute dringender geboten als jemals zuvor. Beseelt gerade von diesem Prinzip hat der chinesische Staatspräsident im Rahmen seines Staatsbesuchs in Kasachstan im September 2013 die große Initiative der gemeinsamen Errichtung der Neuen Seidenstraße (ein Gürtel, eine Straße) ergriffen.

Kern der Neuen Seidenstraßen-Initiative ist der Bau eines Korridors der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu Land und zu Wasser. Man verfolgt dabei das Ziel, über die Förderung der Infrastruktur in den beteiligten Ländern die Konnektivität voranzubringen, so dass die Neuen Seidenstraßen zu Straßen der wirtschaftlichen Kooperation ausgebaut werden, die der globalen Wirtschaft permanent neues Blut zuführen. Schwerpunkt und Priorität der Neuen Seidenstraße liegen auf dem Aufbau einer Infrastruktur, die explizit den tatsächlichen Nachfragen des eurasiatischen Kontinents entspricht. Die Infrastruktur in vielen Regionen und Ländern Asiens, insbesondere Zentralasiens muss dringend erneuert und umgebaut werden. Schätzungen der Asia Development Bank zufolge wird bis 2020 der jährliche Bedarf an Investitionen in die Infrastruktur bei 730 Mrd. Dollar liegen. Die bestehenden Institutionen wie die Weltbank und die Asia Development Bank sind in keinster Weise in der Lage, diesen Bedarf zu decken. Die von China initiierte, eigens zu diesem Zweck gegründete Asia Infrastructure Development Bank stößt bei allen betreffenden Ländern auf große Zustimmung. Herr Nikolai Putscher kennt als Insider diese Geschichte sehr viel besser.

In den letzten fünf Jahren, insbesondere seit dem ersten Road-and-Belt-Forum vor einem Jahr in Peking verzeichnete die Neue Seidenstraße bereits beachtliche Erfolge. 88 Länder sowie regionale und internationale Organisationen haben mit China Abkommen unterzeichnet. Sie haben alle den Wunsch bekundet, sich aktiv am Aufbau der Neuen Seidenstraße zu beteiligen. Die Anrainerstaaten wollen insgesamt 900 Mrd. Dollar in das gigantische Infrastrukturprojekt investieren. Mit den Güterzugverbindungen geht es zügig voran. Es handelt sich um regelmäßige Güterzugverbindundgen, die China mit Europa verbinden und dabei auch den eurasiatischen Kontinent durchqueren. 2008 fuhr der erste Zug. Bis dato sind bereits 8000 Fahrten gezählt. Zielbahnhöfe betreffen mehr als 40 Städte in 14 europäischen Staaten. In meiner Eigenschaft als Chinesische Generalkonsulin freue ich mich insbesondere, dass die Stadt Nürnberg hierbei einen wichtigen Knotenpunkt bildet.

Meine Damen und Herren,

die Neue Seidenstraße wird auch von manchen missverstanden und falsch interpretiert, manchmal sogar misstrauisch und ängstlich aufgenommen. Einige halten die Neue Seidenstraße für ein strategisches Instrument im Dienste der chinesischen Geopolitik und meinen, China beabsichtige, mittels dieser Neuen Seidenstraße eine neue Weltordnung zu schaffen. Wieder andere behaupten, China nutze die Neue Seidenstraße, um seine Überkapazitäten zu exportieren. Vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen nun folgendes mitteilen. 

Erstens: China ist ein verantwortungsvoller Teilnehmer und Miterbauer des bestehenden internationalen Systems. Mittlerweile vertieft sich die Globalisierung der Weltwirtschaft immer weiter. Man kann nicht mehr in das Zeitalter der gegenseitigen Abschottung zurückfallen und den Kontakt miteinander vermeiden. Die Neue Seidenstraße kommt zum richtigen Zeitpunkt. Sie ist ein Produkt der Öffnung und Kooperation in Zeiten der Globalisierung. 

Zweitens: die sogenannten Überkapazitäten Chinas sind nicht rückständig, sondern sind Überschüsse an qualitativ hochwertigen Produktionskapazitäten. China besitzt eine große Menge an Mid-End-Produkten und Anlagen-Kapazitäten, welche den Bedürfnissen der Entwicklungsländer entsprechen. 

Drittens: die Neue Seidenstraße hält an den Prinzipien der Öffnung, der Inklusivität und des Vorteils für alle fest. Die Neue Seidenstraße ist keine kleine Privatstraße einer bestimmten Partei, sondern eine breite Straße, die von allen gemeinsam gebaut wird, und die allen zugutekommt. China ist kein Alleinunterhalter, das ist eine konzertierte Aktion aller Beteiligten.

Meine Damen und Herren, vor zwei Wochen hat der chinesische Ministerpräsident LI Keqiang Deutschland einen Besuch abgestattet und hat mit Bundeskanzlerin Merkel zusammen die fünften chinesischen-deutschen Regierungskonsultationen geführt. In der gemeinsamen Erklärung wird bekräftigt, dass beide Seiten Synergien zwischen der chinesischen Neue-Seidenstraße-Initiative und europäischer Infrastrukturplanung herausfinden werden. China und Deutschland liegen jeweils am Anfang und Ende dieser Neuen Seidenstraße. Sie sind nicht nur die größten Volkswirtschaften Asiens und Europas, sondern überdies auch große Fertigungs- und Exportnationen. Der gemeinsame Aufbau der Neuen Seidenstraße ist für China wie auch für Deutschland von eminenter Bedeutung. Wenn die beiden Länder gemeinsam die Möglichkeiten der neuen Kooperationsfelder und Spielräume der Neuen Seidenstraße ausloten können, wird dies dann mit Sicherheit für die Völker beider Länder und sowie für die Länder entlang der Seidenstraße und ihre Menschen großen wirtschaftlichen Nutzen und auch konkrete Vorteile mit sich bringen.

Die regionale Zusammenarbeit ist ein wichtiger Wachstumsfaktor innerhalb der chinesisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen. Hier spielt der Freistaat Bayern im Rahmen seiner Partnerschaften mit den chinesischen Provinzen Shandong und Guangdong sowie im Rahmen zahlreicher Städtepartnerschaften zwischen Shenzhen und Nürnberg stets eine Vorreiterrolle. Verehrter Herr Staatsminister Pschierer, Sie sind vor ein paar Tagen mit einer großen Delegation nach Chengdu gereist und haben dort die dritte bayerische Repräsentanz eröffnet. Ich bin überzeugt, dass durch die neue Repräsentanz der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen China und Bayern noch intensiver wird.

Der gemeinsame Aufbau der Neuen Seidenstraße ist ein wagemutiges Unterfangen, das noch Jahre in Anspruch nehmen wird. Sie ist zugleich ein bedeutender Motor für die zukünftige Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland in allen Bereichen. Darüber hinaus ist die Neue Seidenstraße zukunftsweisend, weil gegenwärtige Leistungen der zukünftigen Entwicklung Nutzen zeitigen können. In diesem Sinne hoffe ich, dass die Unternehmen unserer beiden Länder diese historische Gelegenheit beim Schopfe packen, dass sie aktiv daran mitwirken und Hand in Hand die schöne Zukunft der Neuen Seidenstraße gestalten. Abschließend wünsche ich der Veranstaltung gutes Gelingen und einen vollen Erfolg.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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